Enttäuschung in Motivation umwandeln
www.simon-rolfes.de am 18.05.2008 - 16:22 Uhr
Die Enttäuschung sitzt richtig tief. Jetzt ist es also passiert, wir haben uns um den ganzen Lohn unserer über weite Strecken starken Saison gebracht. Eine richtig schlechte Phase zum Ende der Spielzeit hat gereicht. Das zeigt, wie groß die Konkurrenz in der Bundesliga ist und wie hoch wir unsere Ziele jedes Jahr stecken, wenn wir sagen, dass wir Platz fünf anpeilen.
Der Frust wird in den nächsten Tagen sicher immer noch mal durchkommen, wenn einem bewusst wird, dass wir in der kommenden Saison nicht so im internationalen Rampenlicht stehen dürfen, dass wir keine englischen Wochen spielen können, die für jeden Profi das Salz in der Suppe sind.
Aber unsere junge Mannschaft wird daraus lernen, noch konzentrierter, noch konstanter zu spielen. Der Klub wird sicher personell noch einiges bewegen, um das Team wieder in ein dann sicher spannendes Rennen, um die vorderen Plätze zu schicken.
Anmerken möchte ich noch, dass wir es nicht im letzten Spiel gegen Werder versaut haben. Schaut man sich die endgültige Tabelle an, denkt man mit noch größerem Kopfschütteln an Partien in Dortmund und Duisburg zurück, wo wir Punkte praktisch schon eingefahren hatten und doch noch aus der Hand gaben. Auch auch gegen Bremen war etwas drin. Ganz ehrlich, ich bin der Meinung, wir haben das beste Spiel gegen die Grün-Weißen abgeliefert, seit ich bei Bayer bin. Gegen Werder haben wir selten etwas geholt, aber diesmal waren wir richtig nah dran. Wir waren top vorbereitet, spielten taktisch diszipliniert, hatten im Mittelfeld trotz eines Diego die Oberhand, drückten die Bremer hinten rein und erspielten uns gute Chancen. Doch die haben wir nicht genutzt. Drei, vier Mal hatten wir die Möglichkeit. Mehr bekommst du einfach gegen so eine Mannschaft nicht. Als wir dann immer stärker ins Risiko gehen mussten, schlug Werder eiskalt zu. Sie beenden die Saison nicht umsonst als Vize-Meister, sind sicher insgesamt etwas ausgeglichener besetzt als wir. Glückwunsch zur Champions-League-Teilnahme.
Nach der Partie bin ich immer wieder gefragt worden, ob das nicht eine saublöde Situation für mich wäre, jetzt in so einer Stimmung zur Nationalmannschaft zu fahren. Ja, natürlich wäre ich lieber mit großer Euphorie losgezogen, aber auch aus dieser Situation kann man positives mitnehmen, die Enttäuschung lässt sich umwandeln in Motivation, in den Hunger die Saison doch noch positiver abzuschließen. In zwei, drei Tagen bin ich sicher soweit, das nächste große Ziel anpeilen zu können, ein gutes Abschneiden bei der Europameisterschaft, meinem ersten großen Turnier. Dann werde ich mich sicher auch riesig auf die bevorstehenden Wochen mit all den Erfahrungen freuen. Besonders schön ist dabei, dass mit Rene Adler auch der beste Bundesliga-Torhüter der Saison mitkommen kann. Als wir vor der offiziellen DFB-Präsentation telefonierten, habe ich mich richtig für ihn gefreut. Er hat es absolut verdient.
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