UEFA-Cup-Jubel

Das Los St. Petersburg hatte ich geahnt

Simon Rolfes am 15.03.2008 - 11:09 Uhr


Es war nicht meine erste Wahl, dass auf unserem Loszettel Zenit St.Petersburg auftauchte. Das wird eine ganz schwere Aufgabe. Sie haben sich vor den namhaften Moskauer Klubs als russischer Meister durchgesetzt. Und mit Dick Advocaat haben sie einen Trainer, der die Bundesliga genau kennt. Dennoch hatte ich so ein Gefühl, dass wir in den Norden fliegen müssen.

Meine sportlichen Erinnerungen an das russische Team sind eigentlich gar nicht so schlecht. Sie waren eine Station auf unserer langen erfolgreichen Europapokalreise mit Alemannia Aachen. Damals retteten wir uns mit einem 2:2-Unentschieden in das Gruppen-Endspiel in Athen, wo wir die Sensation perfekt machten und als Zweitligist im UEFA-Cup überwinterten. Doch schon damals wurde klar wie stark Zenit war. Den Ausgleich im Kölner Stadion schossen wir erst per Elfmeter Sekunden vor Schluss. Glück gehabt! Mit Bayer wollen wir uns trotzdem ohne Wenn und Aber durchsetzen, wir haben schließlich eine ganz andere Erwartungshaltung als der Zweitligist Aachen von damals.

Aber zumindest haben wir bei der Auslosung am Freitag nicht die Bayern bekommen. Das war meine größte Sorge, denn noch ein Bundesliga-Duell wäre nicht so schön geworden. Obwohl wir uns nicht beschweren können. Im Duell mit dem HSV haben wir uns in zwei heiß umstrittenen Spielen durchgesetzt. In Hamburg hatten wir dabei einiges zu überstehen. Es war hochinteressant mal vergleichen zu können, wie so ein Spiel in der Bundesliga abläuft und dann unter Europapokalbedingungen. Allein durch die Auswärtstore-Regelung ist ein großer Schuss Spannung im Spiel. Es ist schon komisch, wenn du in Hamburg 2:3 zurückliegst und dennoch als freudiger Gewinner vom Platz gehst. Dass es ein ganz knappe Sache war, hat jeder gesehen. Der HSV hat sich immer wieder zurück ins Spiel gebracht. Das war bemerkenswert. Entgegen aller Kritiken kann ich aber nicht sagen, dass wir uns zu schnell zu sicher gefühlt haben. Wenn man auf dem Platz stand, hat man immer gemerkt, dass Hamburg nicht aufstecken würde. Das war ganz anders als noch in den Tagen zuvor, als wir gegen Hannover knapp vorn lagen und eigentlich wussten, dass nichts mehr passieren könne. Zu abgeklärt hatten wir die Partie im Griff.

Überhaupt läuft es in der Bundesliga momentan richtig gut. Der Dämpfer gegen Bochum blieb nur ein kleiner Rückschlag, auf den wir gleich wieder die passende Antwort gegeben haben. Das spricht für die Reife unserer jungen Mannschaft. Die müssen wir weiter unter Beweis stellen, Spieltag für Spieltag, ohne große Träumereien. Das wird uns am weitesten bringen. Mal sehen, was dann so alles geht.


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