Die Bundesliga auf Kunstrasen möchte ich nicht mehr erleben
Simon Rolfes am 09.11.2007 - 15:15 Uhr
Unser Auftritt in Moskau war schon sehr ärgerlich. In der zweiten Halbzeit haben wir uns die Früchte eines guten ersten Durchgangs komplett verdorben. Mit sechs Punkten wären wir fast durch gewesen, jetzt müssen wir gegen Prag die Zähler holen. Wenn uns das gelingt, ist immer noch alles drin. Jetzt wird einem auch klar, wie wichtig der auch etwas glückliche Sieg gegen den FC Toulouse gewesen ist.
Die Kälte war nicht schuld an unserem schlechten Spiel. Minus sieben Grad Celcius klingt schlimmer als es war. Im Stadion gab es keinen Wind und es war sehr trocken. Ich habe mich da ganz gut gefühlt. Eigentlich merkte man erst nach dem Schlusspfiff, dass es so eisig war, als man spürte, dass der Schweiß in den Haaren gefroren war. Viel schlimmer war es am Morgen, als wir von unserem Hotel aus einen Spaziergang über den Roten Platz unternommen hatten. Dort fegte uns der Wind um die Ohren und es war sehr ungemütlich.
Gegen Moskau durfte ich meine Pflichtspiel-Premiere auf Kunstrasen feiern. Im Nachhinein muss man sagen, dass der Boden unserer Spielanlage entgegengekommen ist. Er war etwas stumpf, aber wir hatten uns schnell darauf eingestellt. Auf jeden Fall war es bestimmt besser als bei minus sieben Grad Celcius auf gefrorenen Boden zu laufen. Unter solchen klimatischen Extremsituationen kann ein Kunstrasenplatz eine sinnvolle Alternative sein.
Eine generelle Einführung von Kunstrasen würde ich aber dennoch strikt ablehnen. Das Spiel auf so einem Untergrund würde sich vollkommen ändern. Und es würde unattraktiver werden, weil es sich immer mehr zum reinen Kombinationsspiel hinentwickeln würde. Es würde viel weniger Zweikämpfe geben, die Emotionen würden auf der Strecke bleiben. Da würde auch uns Spielern etwas fehlen.
Außerdem würde mir gerade im Sommer sehr viel Spaß verloren gehen, wenn ich daran denke, bei 30 Grad Celcius im Schatten auf einem Kunstrasen antreten zu müssen. Gerade bei Stürzen würde man sich dann alles verbrennen. Außerdem ist dieser Untergrund deutlich anspruchsvoller für Gelenke, Bänder und Sehnen. In Bremen hatten wir genau den gleichen Kunstrasen wie in Moskau für Trainingszwecke zur Verfügung. Im letzten Winter, den ich dort unter Vertrag war, mussten wir aufgrund der Witterung mit den Amateuren oft darauf trainieren und die Verletzungen häuften sich deutlich. Wir Spieler sind da nicht gern drauf gewesen.
Ich weiß, dass es Bestrebungen gibt, Kunstrasen immer weiter im Weltfußball zu verbreiten. Ich wünsche mir, Kunstrasen in Bundesliga-Stadien nicht mehr miterleben zu müssen.
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