Das Duell gegen Paolo Di Canio war befremdlich
am 16.01.2007 - 11:01 Uhr
Die Vorbereitung im Winter ist zum Glück nicht mit der im Sommer zu
vergleichen. Man verliert einfach nicht soviel über die Weihnachtsfeiertage,
kommt auf einem höheren Fitnessstand wieder zurück und gewöhnt sich schnell
wieder an die Belastung. Bei mir lief das sehr reibungslos in diesem Jahr.
So ging sogar das Trainingslager in Rom schnell vorbei. Wir haben gut
trainiert und beim 5:1-Testspielsieg gegen Cisco Rom ein Zeichen gesetzt.
Sicher werden wir das nicht überbewerten, aber fünf Tore musst du erst mal
schießen. Wie oft gehen gerade in dieser Phase der Vorbereitung auch Spiele
gegen unterklassige Gegner verloren. Dass ich als einziger Nicht-Stürmer ein
Tor zu diesem Ergebnis beitragen konnte, hat mich natürlich gefreut. Etwas
befremdlich war für mich in dieser Partie, dass bei den Römern, der
umstrittene, rechtsgerichtete Profi, Paolo di Canio auflief, der sich selbst
einmal als Faschist bezeichnete und sich bei seinem letzten Klub Lazio Rom
mehrfach vor den Fans mit dem faschistischen Gruß präsentierte. Ich habe
mich nach diesem Spiel immer wieder gefragt, wieso ein Klub so einem Typen
die Möglichkeit gibt wieder zu spielen.
Aber zurück zu Bayer. Wir sind also hochmotiviert aus dem Trainingslager
gekommen, hatten dann einen Tag frei und haben heute unsere Arbeit wieder
aufgenommen. Schade, dass wir ein paar Verletzte mitgebracht haben. So auch
Carsten Ramelow, der am Knie operiert werden musste.
Etwas geschockt hat mich heute auch die Nachricht vom Rücktritt von
Sebastian Deisler. Eine ganz bittere Nachricht, denn er war einer mit großen
Fähigkeiten und nach der EM 2000 das Symbol für einen Neubeginn. Dass er nur
zwei Jahre älter ist als ich und jetzt aufhört, macht einen schon sensibel
dafür, wie es auch laufen kann und dankbar dafür, dass die eigene Gesundheit
das Fußballspielen weiter ermöglicht. Die Gründe für den Rücktritt kann ich
nachvollziehen. Wenn du deinem Körper nicht mehr 100-prozentig vertrauen
kannst, macht es keinen Sinn. Obwohl ich ihn nie persönlich kennengelernt
habe, wünsche ich ihm alles Gute für die Zukunft.
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