Ich bin bereit für die Türkei
www.simon-rolfes.de am 22.06.2008 - 15:21 Uhr
von Gerd Strohmann und Friedhelm Körner - Münstersche Zeitung
ASCONA Simon Rolfes machte beim Sieg über Portugal eine ganz starke Figur. Im Interview schaut er zurück auf diese Glanzleistung - und verrät, warum er so selten verletzt ist.
Simon Rolfes, haben Sie das Spiel gegen Portugal noch einmal vor Ihrem inneren Auge ablaufen lassen?
Simon Rolfes: Ich habe noch einmal 20 Minuten der ersten Halbzeit gesehen. Aber sonst habe ich versucht, mich schnell wieder zu entspannen.
Die Eindrücke werden haften bleiben.
Rolfes: Absolut. Es war das bisher wichtigste Spiel meiner Karriere. Die Eindrücke, die Erinnerungen werden mit Sicherheit präsent bleiben.
Hoffen Sie auf eine Fortsetzung gegen die Türkei, also auf einen Einsatz im Halbfinale?
Rolfes: Ich hoffe natürlich, dass es noch weitergeht. Ich habe gezeigt dass ich bereit bin, aber wie der Trainer am Mittwoch aufstellt, das weiß ich nicht.
Glauben Sie, dass Sie innerhalb der Mannschaft jetzt mit anderen Augen betrachtet werden?
Rolfes: Ich glaube, dass die Mitspieler auch vorher wussten, was ich kann. Natürlich hat sich das Standing schon geändert, keine Frage, aber ich glaube nicht unbedingt innerhalb der Mannschaft, sondern eher außerhalb.
Es ist für Sie das erste große Turnier. Haben Sie sich vorher von Ihrem Leverkusener Kollegen Carsten Ramelow Tipps geben lassen?
Rolfes: Ich habe mit Carsten ein bisschen darüber gesprochen, wie der Ablauf bei einem solchen Turnier ist, nicht so viel über Sportliches. Ich habe mich einfach auf mein erstes Turnier gefreut. Es ist etwas absolut Besonderes. Wie das in der ersten Woche war, besonders in den Medien, deutlich schnelllebiger und extremer als im Bundesliga-Alltag, das ist schon eine interessante Erfahrung.
Glauben Sie, dass Ihre Mannschaft in dem System mit einer Spitze weiterspielt?
Rolfes: Ich denke, dass auch vom Gegner abhängt, wie gespielt wird. Es kommt darauf an, wie der Trainer agieren will. Wie wir jetzt gespielt haben, war defensiver als zuvor. Aber flexibel sind beide Systeme, auch das 4-4-2.
Sie sprachen von einem Auf und Ab in den Medien – gab es das auch in der Mannschaft?
Rolfes: Mit Sicherheit weniger als in den Medien. Dass vor dem Kroatien-Spiel eine andere Stimmung als nachher war, ist klar.
Haben Sie sich denn auch gemeldet, als sich die Mannschaft nach dem Spiel gegen Kroatien ohne den Bundestrainer traf und, wie es hieß, in der „Fußballersprache“ geredet wurde?
Rolfes: Ich habe mir das angehört. Es ist klar, dass die etablierten Spieler und die, die auch gespielt hatten, mehr sagen mussten als die, die nur auf der Bank saßen.
Sie sind ein selbstkritischer Mensch. Wie wichtig ist ein solcher Wesenszug?
Rolfes: Er ist Grundvoraussetzung, um seinen Weg weiterzugehen. Man kann im Fußball schnell nach oben kommen, aber es kann auch schnell wieder nach unten gehen. Da muss man selbstkritisch sein, sonst kann man sich nicht weiterentwickeln.
Die Türkei hat die Spiele gegen Schweiz und Tschechien in den letzten Minuten umgerissen. Kann man sich auf so etwas einstellen?
Rolfes: Ja, doch. Es ist wichtig, wie man selbst spielt. Die Tschechen haben sich das Spiel des Gegners aufdrängen lassen. Hätten Sie bis zum Ende Stärke gezeigt, wäre es nicht dazu gekommen.
Mit Bayer 04 haben Sie in dieser Saison schon gegen eine türkische Mannschaft gespielt. Gegen Galatasaray Istanbul, den neuen türkischen Meister, gab es im UEFA-Cup ein 0:0 und ein 5:1.
Rolfes: Diese beiden Spiele und das am Mittwoch kann man nicht miteinander vergleichen. Wir müssen mit viel Tempo und Aggressivität beim Gegner eine gewisse Unordnung erzeugen.
Sehen Sie die Gefahr, dass es nach dem Sieg gegen Portugal nun ein Problem der Einstellung geben könnte, weil jetzt Deutschland Favorit ist?
Rolfes: Ich glaube nicht, dass es in einem Halbfinale ein solches Problem gibt. 2004 hatte niemand mit Griechenland gerechnet, 1992 keiner mit Dänemark. Da hat sich gezeigt, dass auch kleine Mannschaften Europameister geworden sind.
Ist die EM für Sie jetzt schon ein Erfolg?
Rolfes: Sie war für mich auf jeden Fall schon ein Schritt nach vorn. Wir wollen Europameister werden, dann wäre die EM richtig erfolgreich. Die Frage beantworte ich nach dem Turnier.
Sie haben keines der letzten 99 Leverkusener Bundesligaspiele versäumt. Haben Sie ein Geheimrezept für diese Serie, ernähren Sie sich besonders gut – oder war's einfach nur Glück.
Rolfes: Glück ist das nie. Ich versuche fit zu sein, auf den Körper zu achten, mich ganz normal zu ernähren, gesund, aber nicht übertrieben. Hinzu kommt meine Spielweise, schnell, damit ich nicht in wahnsinnig viele Zweikämpfe verwickelt werde.
Man weiß von Ihnen, dass Sie viel lesen. Es wurde behauptet, Sie hätten mehr als tausend Bücher?
Rolfes: Die Zahl kommt nicht von mir. Ich habe Bücher dabei, aber ich bin nicht viel zum Lesen gekommen.
Welches Buch liegt denn hier auf dem Nachttisch?
Rolfes: Zuletzt habe ich Ken Folletts Eisfieber gelesen.
Zurück









