Die Bundesliga-Elf des Jahres 2007/08

www.simon-rolfes.de am 25.05.2008 - 10:00 Uhr


Es ist ein beliebtes Spiel, genauso populär wie der Fußball selbst. Am Ende einer langen Saison wird Bilanz gezogen. Wer waren die Besten? Wer hat sich eine Nominierung in die Elf des Jahres verdient? Auch die Redaktion von Goal.com hat lange darüber gebrütet, wer denn nun wirklich in dieses Elite-Team gehört. Am Ende haben es Spieler geschafft, die gewiss jeder auf der Rechnung hatte. Gleichwohl: Eine Überraschung ist dabei!

Klasse setzt sich durch – und feiert Double-Siege. Es kommt nicht von ungefähr, dass der Deutsche Meister und Pokalsieger aus München die meisten Spieler unserer Auswahl stellen. Vier Bayern gehören zur Goal.com-Elf des Jahres. Aus vier weiteren Vereinen kommen die restlichen Akteure. Stark dabei auch die Bremer, die dank eines tollen Endspurts noch den Sprung auf Platz zwei geschafft und diesen dann am Ende knapp verteidigt haben. Und hier ist sie nun: Unsere Elf der Bundesliga-Saison 2007/08.

TOR

Rene ADLER (Bayer Leverkusen)

Im Fußball ist es eine Weisheit, die sich immer wieder bestätigt: Das zweite Jahr ist immer am schwersten. Nachdem Rene Adler den bewährten Stammkeeper von Bayer 04 Leverkusen, Hans-Jörg Butt, in der Saison 2006/2007 verdrängen konnte, und mit tollen Leistungen den Mut von Trainer Skibbe belohnt hatte, musste er in dieser Saison nachlegen. Und das tat er! Nicht selten wurde er von seinen Vorderleuten im Stich gelassen, nicht selten rettete er die Punkte für Bayer. Etwa beim letzten Ausswärtsspiel, welches 2:1 in Rostock gewonnen werden konnte. Leider hat es aus seiner Sicht am Ende nicht für einen internationalen Platz gereicht. Aber so ganz unbelohnt blieb sein Einsatz nicht. Er wurde kurzerhand in die DFB-Elf für die Europameisterschaft berufen. Und so ist er 2008 doch international dabei...

ABWEHR

Martin DEMICHELIS (Bayern München)

Martin Demichelis war vielleicht die größte Überraschung der Spielzeit bei den Bayern. Der technisch starke Münchner spielte seine konstanteste Saison im Dress des FCB. Einer seiner größten Befürworter schenkte im von Saisonbeginn an das Vertrauen und so wurde er zu einem Eckpfeiler seiner Mannschaft. Dass etwa die Stars wie Franck Ribery oder auch Ze Roberto immer befreit in der Offensive aufspielen konnte, lag auch am Argentinier, der seinen Vorderleuten den Rücken freihielt. Was weniger passte waren mitunter seine Abschlüsse: Obwohl er sich den ein oder anderen Ausflug in gegnerische Strafräume gönnte, traf er in 28 Bundesligaspielen nur einmal ins Schwarze. Aber aufgrund seiner starken Defensivarbeit sei ihm das verziehen!

Marcelo BORDON (Schalke 04)

„Mister Robust“ könnte man ihn nach dieser Saison auch nennen. Im eigenen Strafraum fackelte er meist nicht lange und knallte das Leder weg. Zudem trieb er seine Mannschaft immer wieder an und zeigte sich auch als ausgezeichneter „Wachrüttler“. Trotz seines Alters war er zudem ein echter Dauerbrenner im „königsblauen“ Dress. Er verpasste nur drei Bundesligaspiele, wurde in den restlichen 31 Einsätzen nur zweimal ausgewechselt. Bestechend auch seine Torgefahr. Er traf für einen Verteidiger stolze fünfmal in der ersten Liga! Zehn gelbe Karten in einer ganzen Saison in 46 Pflichtspielen (keine Gelb-Rote; keine Rote) zeugen zudem von einem sehr fairen Spiel. Auch wenn das bei „Mister Robust“ nicht immer so aussieht.

Per MERTESACKER (Werder Bremen)

In der vergangenen Saison war er noch Notenbester. In diesem Spieljahr hielt Per Mertesacker, Werder Bremens „Funkturm“, diese Form, musste sich dennoch zwei Besseren beugen. Demichelis und Bordon spielten noch einen Deut besser, was Mertesacker die Klasse nicht abspricht. Er bleibt der beste deutsche Innenverteidiger der Bundesliga. Selbst eine kleine Durststrecke während der allgemeinen Bremer Verunsicherung warf ihn nicht aus der Bahn. Ebenso wenig sein erster Platzverweis (Rot nach Notbremse in Stuttgart), denn Per Mertesacker ist das Sinnbild für Fairness. Der Innenverteidiger sah gerade einmal vier Gelbe Karten. Für seine Position ungewöhnlich, für uns ein weiterer Grund für seine Nominierung.

MITTELFELD

Ze ROBERTO (Bayern München)

So ein kleines Raunen konnte man rund um München hören, als Ze Roberto als Neuzugang vor der Saison verkündet wurde. Einige waren begeistert, aber es gab auch Kritiker. Und diesen nahm der Brasilianer auf dem Feld zumeist den Wind aus den Segeln. 30 Mal kam er in der Bundesliga zum Einsatz, erzielte dabei fünf Tore und legte vier für Luca Toni und Co. vor. Dennoch: Der Mittelfeldmann ist eindeutig ein Kind der Bundesliga: In keinem anderen Turnier gelang ihm ein Treffer oder eine Vorlage. Von seinen fünf Erfolgen landete er übrigens nur einen auf fremden Plätzen (in Karlsruhe). Seine Rückkehr an die Isar hat sich für den FC Bayern München aber trotzdem in jedem Fall gelohnt!

Simon ROLFES (Bayer Leverkusen)

Viele spötteln bei der Werkself von Bayer gerne über „Loserkusen“. Doch im Team vom Rhein steht einer, der als echter Winnertyp gefeiert werden darf. Simon Rolfes, der stille Star, der brave Arbeiter, der sich für nichts zu schade ist. Schade ist lediglich, dass er dafür eigentlich viel zu wenig Anerkennung findet. Hier nicht! Denn Rolfes absolvierte alle Ligaspiele von Anfang an, wurde nur ein einziges Mal ausgewechselt. Das schaffte selbst Rene Adler nicht. Und obwohl der Leverkusener oft auch defensiv aushelfen muss, mehr die „Sechs“ denn die „Zehn“ bekleidet, kassierte er nicht eine einzige Gelbe Karte! Torgefährlich war Rolfes dennoch. Acht Tore und drei Vorarbeiten stehen auf seinem Konto. Tolle Quoten für den Mann, der nach Bernd Schneiders Ausfall vielleicht auch bei der EM zu höheren Aufgaben berufen ist...

Franck RIBERY (Bayern München)

Über den Franzosen muss man wohl kaum noch etwas sagen. Hinter Luca Toni war er der zweitbeste Scorer beim deutschen Rekordmeister. Er war in 28 Bundesligaspielen für die Münchner an 19 (!) Toren direkt beteiligt. Elf Buden machte er selbst, acht weitere legte er teilweise genial vor. Er entwickelte sich während der Spielzeit immer besser ins System des FCB ein und trug einen großen Teil zum souveränen Gewinn der Meisterschaft bei. Und wenn man Uli Hoeneß vom 1,70 Meter großen Franzosen reden hört, könnte man meinen, die beiden seien verheiratet. Kleiner Wermutstropfen: Ribery könnte den Franzosen bei der Europameisterschaft zu großen Erfolgen verhelfen. Und das würden ihm die meisten Deutschen wiederum nicht wünschen!

DIEGO (Werder Bremen)

Die Saison 2007/08 war ein Auf und Ab. Für seinen Verein Werder Bremen, aber auch für den kleinen, quirligen Spielmacher Diego. Immer wieder musste er den Vergleichen mit Franck Ribery standhalten – und tat dies auch. Es gab Phasen, da war der Münchner besser, allerdings ebenso Passagen in der Saison, in denen Diego punkten konnte. Trotz einer hartnäckigen Schambeinentzündung biss der Brasilianer auf die Zähne und hatte immer wieder nette Kabinettstückchen parat. Eine Bereicherung für die Liga, auch in seinem zweiten Jahr. Aber auch für Werder Bremen. Denn Diego traf 13 Mal und bereitete elf weitere Male vor. Desweiteren wurde er als einziger Akteur in dieser Saison zwei Mal zum Spieler des Monats gekürt. Allesamt Werte, die Franck Ribery nicht erreichte.

ANGRIFF

Luca TONI (Bayern München)

Er war vermutlich der beste Transfer des FC Bayern Münchens in den letzten Jahren. Hoeneß sagte schon vor der Saison vollmundig:„Mit dem Mann kommt eine Torgarantie.“ Er sollte Recht behalten. Der beste Scorer und der beste Torjäger vereint sich in Luca Toni. In 46 Plichtspielen gelangen ihm unglaubliche 39 Tore und elf Vorlagen. Dieser Phrase wird immer häufiger verwendet, aber hier trifft sie wahrlich zu: Der Italiener war sowas wie die Lebensversicherung des neuen deutschen Meisters. „Il Bomber“ gelangen insgesamt in allen Turnieren ein Viererpack, zweimal überwand er den gengerischen Torwart dreimal und sechsmal gelangen ihm noch zwei Tore. Die Wichtigkeit seiner Person für den Verein zeigte sich nicht zuletzt in Getafe, wo er im Alleingang das Spiel drehte.

Mario GOMEZ (VfB Stuttgart)

Mario Gomez war der beste Scorer des VfB Stuttgart. Obwohl der Verein die Saison mehr oder weniger erfolgreich beendete, traf er wieder einmal wie am Fließband. In 25 Budnesligaspielen traf er 19 Mal und bereitete vier Tore mustergültig vor. Er war also im Schnitt an einem Tor pro Spiel direkt beteiligt. So hielt er dem VfB doch noch die Chance auf den UEFA-Cup über den UI-Cup für die nächste Saison offen. Hoffnung machten seine Leistungen zudem für die Europameisterschaft. Ob er danach nach Stuttgart zurückkehrt? Derzeit sieht es zumindest so aus. Aber im Fußball ist eben alles möglich. Aber das müsste der Angreifer nach dieser Spielzeit wohl selbst am besten wissen.

Markus ROSENBERG (Werder Bremen)

Da ist sie also – unsere Überraschung: Bremens Schweden-Bomber Markus Rosenberg (Foto) hat es sich einfach verdient. Mit 14 Treffern war er vielleicht nicht ganz so torgefährlich wie beispielsweise Schalkes Kevin Kuranyi (15) – aber weitaus effektiver. Denn die Startelf, das war nicht immer Markus Rosenbergs Platz. Mit Almeida, Klasnic und Sanogo hatte er starke Konkurrenz, Trainer Thomas Schaaf ließ rotieren. Trotzdem traf und traf der Schwede. Und präsentierte sich dabei durchaus mannschaftsdienlich. Neun weitere Vorlagen gehen auf sein Konto, macht Rang drei in der Scorerwertung, direkt hinter Mannschaftskamerad Diego. Und genau das macht den sympathischen Schweden so wertvoll!

TRAINER

Felix MAGATH (VfL Wolfsburg)

Vor allem der Platz des „Trainers des Jahres“ war bei Goal.com eine knappe Geschichte. Lange diskutierte die Redaktion, doch am Ende fiel die Wahl auf Felix Magath. Trotz des Geldes, das ihm zur Verfügung stand, machte er einen super Job und brachte die „Wölfe“ vor allem dank einer tollen Rückrunde in den UEFA-Cup. Was seine Vorgänger in zehn Jahren nicht schafften, gelang ihm in einer Saison. Nicht zu vergessen dabei: Er erledigte die Arbeiten im sportlichen Bereich komplett alleine, wobei die ein oder andere Nacht draufgegangen sein dürfte. Seine Neueinkäufe griffen und sein Konzept ging auf: Mal schauen, wie sich der VfL Wolfsburg in der neuen Saison auf internationaler Bühne schlägt. Für Goal.com ist er jetzt schon die Nummer eins auf Deutschlands Trainerbänken. Knapp dahinter: Bojan Prasnikar von Energie Cottbus!



  Zurück