Deutsche-Welle-Interview:
www.simon-rolfes.de am 06.12.2007 - 18:09 Uhr
Er kam 2005 aus Aachen und ist mehr als eine feste Größe bei Bayer. Die letzten ZWEI UND NEUNZIG! Pflichtspiele in Folge stand er immer in der Startelf (die 100 schafft er auch noch)
DW-TV: Rudi Völler hat gesagt, du hättest das Zeug zum neuen Ballack, das muss doch erstmal runtergehen wie Öl oder…
Simon Rolfes: Ich glaub das hat er vor zweieinhalb Jahren gesagt, oder hat er es noch mal aufgefrischt?
Das weiß ich ehrlich gesagt nicht , aber du bist in der Zeit eigentlich eher besser geworden als schlechter?
Das hat er damals gesagt, als ich nach Leverkusen gekommen bin, im Zusammenhang damit, dass ich eine ähnliche Position spiele. Ich bin kein reiner Sechser und kein reiner Zehner- sondern so ein Achter dazwischen. Seit Ballack war diese Position hier nicht mehr besetzt.
Du hattest Mathe und Physik als Leistungskurs im Abitur- du musst mir doch erklären können, was der Unterschied zwischen der Sechs und der Zehn ist?
Ja, das ist eine gute Frage, je nach System gibt es da Unterschiede. In der Nationalmannschaft, wo vier Mittelfeldspieler fast auf einer Linie spielen, müssen die zentralen Akteure beide Aufgaben erfüllen- sowohl in der Defensive, als auch hinter den Spitzen agieren. Wenn man ganz normal in der Raute spielt, dann ist natürlich die Sechs deutlich defensiver als die Zehn.
Was liegt dir am meisten?
Die Acht. Ich denke, dass ich beide Sachen ganz gut zusammen verkörpere. Ich kann die Defensive ausfüllen, aber auch mit nach vorne gehen und torgefährlich werden. Ich bin nicht der Typ, der mit dem Rücken zum Tor steht und versucht sich durch zu dribbeln. Mir liegt es, wenn ich mit Tempo ein bisschen weiter aus der Tiefe komme und das Spiel vor mir habe.
In dieser Saison bist du schon oft als Kapitän aufgelaufen. War es etwas Besonderes?
Es ist natürlich eine schöne Ehre, nachdem Kalle und Bernd verletzt waren. Ich bin jetzt nicht so der lautstarke oder der wahnsinnig extrovertierte Spieler auf dem Platz, aber ich möchte da reinwachsen, auch ein Spiel antreiben. Hier wird mir die Zeit gegeben, mich persönlich zu entwickeln. Das ist mit Sicherheit auch ein Grund dafür dass ich diese Schritte mache.
Machst du dir große Hoffnungen auf die Euro 2008, immerhin bist du jetzt neuer Nationalspieler. Du gehörst seit diesem Jahr konstant zum Kader …
Ja klar, dazu zähle ich mich auf jeden Fall, das ist keine Frage. Ich mache mir schon Hoffnung. Es gibt natürlich große Konkurrenz, gerade auch im Mittelfeld. Aber die nächsten Monate werden schon zeigen, wie ich mich in der Bundesliga präsentiere. Wenn ich eine starke Saison spiele, auch international, habe ich mit Sicherheit auch gute Chancen dabei zu sein.
Du setzt Dich auch für Krebskranke ein.
Ich habe während der Aachener Zeit, mit einem Freund zusammen einen Verein gegründet, die Aachener Engel. Das ist auch aus den Erfahrungen entstanden, die ich bei einem Besuch mit Christian Fiel zusammen im Aachener Klinikum, gesammelt hab. Wir waren dort in der Kinderkrebsstation. Dort entstand die Idee, sich in diesem bereich einzusetzen.
Ist es wahr, dass du den Ball 4.500 Mal hochhalten kannst?
Ja zumindest mit sechzehn konnte ich das.
Ach heute kannst du es nicht mehr?
Doch, ich glaube vom fußballerischen würde ich es natürlich auch schaffen, aber das ist auch eine Trainingssache, einfach diese Konzentration aufzubringen, immer wieder den Ball hochzuhalten. Das ist keine Frage des Könnens, sondern einfach nur der Konzentration. Damals war ich eben gut im Training, jetzt übe ich das nicht jeden Tag.
Abgesehen davon, dass ich Respekt vor der Leistung habe, stelle ich mir das ziemlich langweilig vor 4.500 Mal den Ball hochzuhalten- das dauert doch ewig oder nicht?
Ja, so eine dreiviertel Stunde bis zu einer Stunde ist man schon dabei.
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