Recker Rolfes feiert mit Werder den Titelgewinn

Simon Rolfes am 20.05.2004 - 17:27 Uhr


Recke/Bremen. „Na klar“ – kurz und knapp ist Simon Rolfes Antwort auf die Frage, ob er sich denn als Deutscher Meister fühle. Der gebürtige Recker Rolfes (22) spielt für den Fußball-Bundesligisten SV Werder Bremen, kam aber bislang in der Bundesliga nicht zum Einsatz, obwohl er täglich mit dem Profikader trainiert. „Die Meisterschaft wird zwar auf dem Platz entschieden, aber ohne Konkurrenzkampf im Training wird man nicht Meister“, sagt Rolfes selbstbewusst. Man müsse die Mitspieler an ihre Leistungsgrenze bringen.

„Vor zwei Jahren hat das B-Team gegen das A-Team im Training immer eine Klatsche bekommen. In diesem Jahr hat die B-Mannschaft so oft gewonnen, wie nie zuvor.“ Bremens Manager Klaus Allofs sehe das ähnlich, weiß der Jugend-Nationalspieler. Der habe gesagt, der Erfolg der Bremer sei auch auf die Stärke der Spieler zurückzuführen, die hinten dran stehen.

Und zu denen gehört Rolfes, der in der laufenden Saison bislang einmal im Bundesliga-Kader stand und zwar gegen Bayern München - im Hinspiel allerdings. Beim Rückspiel war er auch dabei, wenngleich „nur“ als Zuschauer. Freitags spielte er noch mit den Werder-Amateuren gegen Wattenscheid, am Samstagmittag ging es dann mit den anderen Spielern, die nicht im Kader standen, unter anderem Ludovic Magnin und Ümit Davala, per Flieger nach München. „Wir haben die Mannschaft noch auf dem Platz begrüßt“, so Rolfes, „da konnte man schon merken, dass sie gut drauf ist.“ Nach dem Spiel und dem Titelgewinn war sie natürlich noch besser drauf. „Der Empfang am Flughafen war gigantisch“, sagt der Mittelfeldspieler. „Tausende Leute waren auf dem Rollfeld.“

Für Simon Rolfes könnte es aber bald noch einen weiteren Titelgewinn zu feiern geben, denn schließlich stehen die Werderaner ja auch noch im Finale um den DFB-Pokal. Gegner dort ist Aachen, ausgerechnet der Club, zu dem Rolfes in der kommenden Spielzeit wechseln wird. „Das ist ganz lustig“, so Rolfes. „Ich möchte natürlich gerne spielen und gewinnen, aber das ist unabhängig vom Gegner.“ Ob Rolfes im Pokalfinale und in den beiden abschließenden
Bundesligapartien mit dabei ist? „Wir haben nicht darüber gesprochen. Mal sehen, was noch so passiert.“

Bei den Niederrheinern hat Rolfes einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben, obwohl es noch etliche andere Interessenten gab. „In der Zeitung stand was von sieben Vereinen. Ich lasse das mal so stehen.“ Unter anderem sollen auch der 1. FC Kaiserslautern und der FSV Mainz 05 Interesse gehabt haben. Warum also Aachen? „Wir haben seit gut anderthalb Jahren Kontakt“, sagt der 22-Jährige. „Fast hätte es schon im Sommer mit einem Wechsel geklappt.“ Hat es aber nicht, und so muss Rolfes nun den Alemannen die Daumen halten, dass es mit dem Aufstieg noch klappt. „Das wäre natürlich das i-Tüpfelchen“, so Rolfes. Meister - Pokalsieger - Aufstieg.

Der Wechsel nach Aachen erfolgt aber unabhängig von der Klassenzugehörigkeit. „In Aachen gibt es eine kontinuierliche Aufwärtsbewegung“, begründet der Recke seine Entscheidung für die Alemannia. „Auch wenn Aachen nicht aufsteigt, werden sie in der kommenden Saison oben mitspielen.“ Die Fans am Tivoli, sowie die sportlichen Entscheidungsträger, Sportdirektor Jörg Schmadtke und Trainer Jörg Berger, taten ein Übriges dazu. „Berger ist ein sehr kompetenter Trainer, der in der Bundesliga schon alles erlebt hat. Er macht einen sympathischen Eindruck.“
Rolfes hätte aber auch bei Werder bleiben können. „Bremen wollte mit mir für zwei oder drei Jahre verlängern und mich dann mit der Option ausleihen, mich halbjährlich zurückholen zu können“, sagt der Mittelfeldspieler. „Ich wollte aber nicht ständig zwischen allen Stühlen sitzen“, sagt Rolfes. „Ich sehe das ja jetzt bei meinem Kollegen Markus Daun. Der Spieler ist immer der Leidtragende.“ Einmal hat Rolfes ein solches Ausleihgeschäft mitgemacht und erlebte den Abstieg des SSV Reutlingen aus der 2. Liga mit. „Persönlich hat mich die Zeit dort weitergebracht“, so Rolfes. Vor allem die Erfahrungswerte Abstiegskampf und Trainerentlassung. „Es hat viel Chaos geherrscht, und ich habe zum ersten Mal erlebt, welchen Einfluss es hat, wenn sich das Präsidium einmischt. Dagegen geht es in Bremen sehr ruhig zu.“

Als Ziel hat sich Rolfes gesetzt, in Aachen so oft und so gut wie möglich zu spielen. „Ich habe in der Regionalliga eine konstant gute Saison gespielt. Das will ich fortsetzen“, sagt der Recker. Und natürlich nach Möglichkeit als Double-Gewinner zu einem Aufsteiger wechseln.

Nur eines könnte das noch toppen. „Ich bin sicher, der TuS Recke steigt auch auf“, so Rolfes. Das wäre die Krönung einer tollen Saison.



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