AACHENER NACHRICHTEN: Rolfes: Wir sind süchtig nach Erfolg
Simon Rolfes am 08.12.2004 - 17:20 Uhr
Aachen. Die Karriere begann im Alter von einem Jahr. «Sobald ich laufen konnte, musste ich für die Experimente meiner drei älteren Brüder herhalten.»
Die sechs, zehn und zwölf Jahre älteren Buben machten den kleinen Simon mit dem Ball vertraut - auch wenn der kleine Mann nur als Torhüter mitspielen durfte. «Sie hofften, dass ich zufällig angeschossen werde und so ein Tor verhindere.»
Die Jahre sind vergangen, die drei Brüder kicken nur noch hobbymäßig in Norddeutschland, der jüngste Spross hat sich durchgeschlagen. Seit Dienstagabend ist Simon Rolfes Alemannias erster Perspektivspieler im Team 2006.
Werder Bremen verließ der 23-Jährige als Pokalsieger und Meister. «Ein bisschen fühle ich mich auch so, weil wir den Stammspielern immer Druck gemacht haben.» Nach drei Jahren fiel der Abschied nicht besonders schwer. Er sei in Bremen «unter Wert weggekommen», reklamiert er. Bei den Werderaner waren seine Dienste nicht besonders gefragt. Mal liehen sie den Linksfuß für ein halbes Jahr zum Zweitligisten SSV Reutlingen aus, dann versteckten sie das Talent bei den eigenen Amateuren.
Spaßgesellschaft
«Auch im dritten Jahr bekam ich trotz schönem Gerede der Verantwortlichen nie eine Chance, mich beweisen zu können», sagt Rolfes. In der letzten Hinrunde war der Kontakt mit Coach Thomas Schaaf noch intensiv, in der kompletten Rückrunde gab es «irgendwann im Februar» das einzige Gespräch. Die Konsequenz: Rolfes packte seine Siebensachen und heuerte im Wilden Westen an.
Für seine Halbjahres-Bilanz nimmt er alles verfügbare Rosarot von der Palette. «Es ist unglaublich geil, in diesem Verein zu spielen.» Rolfes ist angekommen in der Spaßgesellschaft am Tivoli, die doch so dem Leistungsgedanken anhängt. «Wir sind einfach süchtig auf den Erfolg.»
WM-Teilnahme noch nicht aus den Augen verloren
Die intensive Hinrunde entschädigt für die lange Zeit in der Bremer Endlos-Warteschleife. Rolfes ist seit dem ersten Moment Stammspieler. «Ich freue mich auf jedes Training, auf jedes Spiel», reklamiert er auch noch nach sieben selten intensiven Monaten. Beeindruckend ist die Ruhe, die der Schlaks am Spielgerät ausstrahlt. «Er ist sehr ballsicher, hat ein gutes Auge. Sein erster Gedanke ist immer offensiv. Er will nach der Balleroberung dem Gegner in der Rückwärtsbewegung weh tun», lobt sein Trainer Dieter Hecking, der selbst einigermaßen überrascht ist von der rasanten Entwicklung des Neuzugangs. Zudem verfügt Rolfes über ein geschicktes Zweikampfverhalten. Ihm würde man problemlos zutrauen, den Ball minutenlang gegen Eindringlinge in einem Dixie-Klo abzuschirmen.
Und so hat der bodenständige junge Mann eine Teilnahme an der WM 2006 noch nicht aus den Augen verloren. In diversen Jugend-Auswahlteams spielte er vor, ehe er beim Perspektivteam landete. Wichtig wird sein, dass das Schaufenster ab der nächsten Saison noch größer wird. Simon Rolfes zieht es mit Aachen in die 1. Liga.
Die kurzfristigen Ziele bis zum Jahresende: «Noch zwei Siege», hofft Rolfes. Danach trifft er sich mit seinen Brüdern und der gesamten Großfamilie Rolfes in der Winterpause auf Mallorca. Es gibt viel zu erzählen.
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