AACHENER NACHRICHTEN: Wo funkelt der Diamant nächste Saison?
Simon Rolfes am 09.03.2005 - 17:08 Uhr
Aachen. Manchmal treibt die Gier nach Exklusiv-Geschichten schon seltsame Blüten. So verkündete eine Boulevardzeitung in der letzten Woche, der Aachener Spieler Simon Rolfes werde sehr bald beim 1. FC Köln einen Vertrag unterschreiben. Dasselbe Blatt wusste einen Tag später, dass Rolfes bei Bayer Leverkusen anheuern wird.
Rolfes wird sich vermutlich nicht teilen. Aber der elegante Balleroberer gilt als einer der gefragtesten Kicker in der gesamten Szene. Jung, dynamisch, linksfüßig, klar strukturiert, deutsch - für einen solchen Spieler würde mancher Manager nächtelang freiwillig den Mond anheulen.
Noch bis 2006 hat der 23-Jährige Vertrag bei Alemannia Aachen. Manager Jörg Schmadtke hatte Rolfes für zwei Jahre aus dem Unterholz der 3. Liga eine Klasse höher geholt. Der kluge Blonde mit den schwarzen Schuhen startete auf einem beeindruckend hohen Niveau durch, bestand sogar gegen europäische Top-Teams. «Das ist unser Diamant», urteilt Erik Meijer über ihn.
Die ständigen Auftritte im Fernseh-Schaufenster haben das Interesse nachhaltig geweckt. Bis auf Schalke und Bayern interessieren sich nahezu alle Bundesligisten für den Spieler, sagt zumindest sein Berater. Vermutlich kommt es bei der Warteschlange auf den einen oder anderen Klub auch nicht mehr an. Und auch beim 1. FC Köln steht Rolfes ganz oben auf dem Wunschzettel, den Huub Stevens bei seinem Manager Andreas Rettig für die neue Spielzeit hinterlegt hat.
«Es gibt unzählige Anfragen, aber noch keine Verhandlungen», sagt sein Berater Lars-Wilhelm Baumgarten von der Agentur Strunz & Friends. Die Ausgangslage von Rolfes ist seit Wochen unverändert. Er will abwarten, wohin Aachens Reise führt. Aus seinen Ambitionen, in der nächsten Spielzeit in der Eliteliga aufzulaufen, hat der Schlaks nie einen Hehl gemacht. «Ich traue mir die Bundesliga auch zu.» Am liebsten würde er den Schritt mit Aachen vollziehen, sagt Rolfes. Und das Thema Aufstieg ist immer noch nicht ganz zu den Akten gelegt, obwohl die Mannschaft in der Rückrunde enorm dazu beigetragen hat, dass die Aussichten sich rapide verschlechtern.
Geht Rolfes weg, bliebe Alemannia nur die Wertschöpfung. Die Berater des Spielers haben bei Vertragsabschluss eine Ausstiegsklausel festschreiben lassen. «Wir haben wie auch bei Stefan Blank das Heft des Handelns nicht in der Hand», sagt Manager Jörg Schmadtke. Ob auch die Ablösesumme festgeschrieben ist, darüber will Baumgarten nicht reden. Man kann davon ausgehen.
Wie auch schon im Fall Blank haben die Aachener einem Spieler die Karriereleiter hingehalten, die dieser energisch empor geklettert ist. «Die Chancen, ihn hier zu halten, sind nur gering», sagt Trainer Dieter Hecking, «obwohl er gerne hier bleiben würde.»
Nächste Woche wird sich Rolfes mit seinem Berater treffen und erstmals in die Bewerbermappe einsehen. «Dann muss ich abwägen, was der richtige Schritt ist.» Und dann wird bald klar sein, wo der Diamant in der nächsten Spielzeit funkeln wird.
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